Kamerageflüster

Eine Retro-Linse: Das TTartisan 100mm f/2,8

Mein persönliches Fazit

Eine Schwäche des TTartisan’s 100mm f/2,8 liegt in der hohen Empfindlichkeit bei Gegenlicht, der aber mit geeigneten Mitteln Abhilfe geschaffen werden kann. Zudem gehört es nicht zu den schärfsten Objektiven, ich bin mit den Bildergebnissen dennoch zufrieden. Es war mir aufgrund des Bubble-Bokeh’s allein schon die Investition wert, weil ich persönlich außergewöhnliche und nicht gerade alltägliche Bokehs auf Bildern sehr mag.

Solch ein Bokeh passt jedoch nicht zu jedem Motiv, doch ich persönlich sehe es gerne in der Natur- und Porträtfotografie. Gerade der vintage Look lässt die Bilder meiner Meinung nach ganz wunderbar wirken, er versprüht einen gewissen Charme und ist einfach zauberhaft. Das Zusammenspiel der in der Aufnahme vorhandenen Unschärfe und der im Bokeh zu sehenden Lichtkreise empfinde ich durchaus als sehr ästhetisch. Es ist in meinen Augen eine gelungene Abwechslung zum oft zu sehenden technisch glatten, einwandfreien Bokeh, das auf mich manchmal etwas eintönig, fast schon langweilig, wirkt.

Was möchte der Fotograf mit seinem Foto erreichen? Wen möchte er ansprechen? Was möchte er damit aussagen? Mal brauchen Bilder ein bisschen Retro-Chic, um ihre Wirkung entfalten zu können, manchmal passt das glatte, perfekt wirkende Bokeh besser zum Bild.

Das TTartisan & die Canon EOS R10

Die Retro-Linse habe ich auf einem M42 auf Canon EOS RF Adapter von Peipro, den ich für sehr gut befinde. Damit die Canon EOS R10 überhaupt auslöst, muss im Menü in der vorletzten Registerkarte der Punkt “Ohne Objektiv auslösen” eingeschaltet werden. Dieser Menüpunkt ist werksseitig auf “Off” eingestellt. Denn das TTartisan ist ein manuelles Objektiv ohne Verbindung zur Kamera und wenn der Kamera trotz angeschraubten Objektivs die Informationen fehlen, dann löst sie nicht aus. Daher muss an diese Einstellung gedacht werden! Ich habe den Modus M (= manueller Modus) verwendet. Da manuell scharf gestellt werden muss, empfehle ich das Fokus-Peaking zur Unterstützung sowie eine entsprechende Gegenlichtblende, um eventuelle Flairings zu vermeiden, sollten diese unerwünscht sein.

Für die Nah- und Makrofotogrfie empfehlen sich M42-Zwischenringe. Dieses Zubehör ist bereits für kleines Geld online käuflich zu erwerben. Zwischenringe lassen das Seifenblasen-Bokeh noch deutlicher zum Vorschein kommen.

Zum Abschluss noch einige Bilder

Mut zum Unperfekten! Dieses Bild des Vögelchens auf einem Ast im Baum hockend ↓ ist wirklich alles andere als perfekt und dennoch spricht es – zumindest mich – an. Blende: f/2,8

Das einsame Boot im See und sein Besucher ↓. Blende: f/8

Diese Ente ↓ begleitete mich ein Stück auf meiner Fototour durch den Deutsch Französischen Garten in Saarbrücken, in dem alle Bilder, die ihr in diesem Beitrag seht, entstanden sind. Blende: f/8

Dieses Teichhuhn (?) ↓ war hoch konzentriert. Ich habe es erwischt, als es gerade nach etwas pickte. Blende: f/5,6

Diese Nilgans ↓ lief mir über den Weg, als ich schon fast wieder aus dem DFG in Saarbrücken hinaus gegangen war. Blende: f/8

Wenn man von diesem Objektiv keine Wunder erwartet und
auch mit weniger scharfen Aufnahmen zufrieden ist,
dafür aber bei Blende f/2,8 ein super Bokeh hat,
dann ist das TTartisan 100mm f/2,8 genau
das Richtige! Den Kauf bereue
ich absolut nicht.

Dieser lange Beitrag über das aktuelle Objektiv von TTartisan hat sehr viel Arbeit für mich bedeutet und ich habe viel Zeit hierin investiert. Dass Du ihn trotz seiner (Über)länge bis zu Ende gelesen hast, ehrt mich sehr und zeigt mir, dass Du als LeserIn Interesse daran hattest und Dir die nötige Zeit genommen hast. ♥lichen Dank dafür.

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12 Kommentare

  • Rolf

    Hallo Sandra,
    natürlich habe ich jetzt Deinen Bericht komplett gelesen und kann Deine Ausführungen voll bestätigen (muss mir noch eine Streulichtblende besorgen). Bei mir ist die Brennweite von 100mm an meiner µFT-Kamera (~200mm an KB) schon recht lang. Ich muss das (Effekt-)Objektiv aber noch in der Natur testen und bin gespannt, wie die Ergebnisse aussehen werden. Die Randunschärfen werden bei mir nicht ganz so stark ausfallen da meine Kamera ja nur das Zentrum des Bildkreises nutzt.
    Viele Grüße,
    Rolf

    • Sandra

      @Rolf:
      Lieber Rolf!
      Schön, dass Du meinen Bericht über das TTArtisan gelesen hast und mir zustimmen kannst. Ich mag das Obi total gerne und setze es häufig ein.

      Viele Grüße, Sandra!

  • Andreas

    Ein interessantes Objektiv, dass Du nicht hättest vorstellen sollen. Denn jetzt bin icgh wieder schwer erkrankt an dem HWV, der H aben W ill V irus.
    OK, im Ernst, tolles Objektiv, tolle Bilder, toller Bericht, den ich gerne bis zum Schluss gelesen habe.
    Wer sich so ein Objektiv kauft und technische Perfektion grad in Bezug auf Schärfe will, dem ist nicht zu helfen, denn er macht – oder denkt – was falsch.

    Gruß
    Andreas

    • Sandra

      @Andreas:
      Lieber Andreas!
      Was das HWV ist, hätte ich sogar gewusst, denn auch ich leide unter diesem Virus *lach*. Es ist einfach fürchterlich, dagegen hilft keine Medizin *traurigguck*. Ich fühle mich geehrt, dass Du den gesamten Beitrag bis zu seinem Ende gelesen hast. Vielen lieben Dank. Da hat sich meine Zeit, Arbeit und Mühe ja schon gelohnt. Richtig: von technischer Perfektion ist das TTartisan 100mm f/2,8 weit entfernt, doch gerade das ist das für mich Reizvolle daran. Wir streben alle irgendwie nach Perfektion, auch in der Fotografie, und ich schwimme einfach mal gegen den Strom. Das ist auch mal schön *lach*.

      Ich bin mal sehr gespannt, ob Du dem HWV unterlegen bist oder ob Du Dich hier noch zurückhalten kannst *lach*. Im Übrigen ist das Objektiv nur über den Hersteller TTartisan käuflich zu erwerben, wenn ich korrekt informiert bin. Denke an ggf. anfallende Zollgebühren, solltest Du es kaufen wollen.

      Viele Grüße, Sandra!

      • Andreas

        Hallo Sandra

        Ich werde versuchen mich start zurück zuz halten, da ich erstmal auf ein größeres Telezoom hinarbeiten möchte.
        Was die technische Perfektion betrifft, daher arbeite ich auch gerne mal analog, das ist aus Heutiger Sicht weit von Technischer Perfektion entfernt 😀

        Gruß
        Andreas

        • Sandra

          @Andreas:
          Lieber Andreas!
          Ja, man kann eben nicht alles haben, das stimmt wohl. Da muss man schon Prioritäten setzen! Technische Perfektion kann in meinen Augen auch auf Dauer langweilig sein *knipsauge*. Von der Norm abweichen finde ich interessant!

          Viele Grüße, Sandra!

  • Elke (Mainzauber)

    Liebe Sandra,
    das ist ein wirklich interessantes Objektiv. Ich mag das Seifenblasenbokeh nicht so sehr, aber manchmal passt es einfach. Ich sehe, dein Beitrag zieht sich über drei Seiten. Das werde ich mir heute Abend noch mal ausführlich zu Gemüte ziehen. Deine Schriftfarbe ist jetzt sehr gut zu lesen!!! Ich bin begeistert, danke. Es gibt bei einer neuen Seite ja so viel zu beachten. Heute schiebe ich mal wieder etwas Frust, aber ich habe nochmal viel dazugelernt. Und manches braucht man ja auch nicht wirklich. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel will.
    Herzliche Grüße – Elke

    • Sandra

      @Elke (Mainzauber):
      Liebe Elke!
      Das ist ein interessantes und gleichzeitig auch erschwingliches Objektiv *lach*. Ich liebe das Seifenblasen-Bokeh, aber das weißt Du ja als treue Leserin dieses Blogs. Ich finde, vor allem in der Natur und bei Porträts wirkt es sehr gut, sofern es vom eigentlichen Motiv nicht zu sehr ablenkt. Ich freue mich, dass Dir die Schriftfarbe nun zusagt. Wenn ich weiß, was ich verbessern kann, dann bin ich gerne dazu bereit, es zu tun. Ich muss nur darauf hingewiesen werden, ansonsten kann ich ja nicht ahnen, wo der Schuh drückt *grins*. Also: danke für den Hinweis! Das Ding mit dem “zu viel wollen” kenne ich seeehr gut. Aber, so wie ich Dich kenne, wirst Du das Ding schon rocken!

      Viele Grüße, Sandra!

    • Sandra

      @Frau Momo:
      Liebe Frau Momo!
      Ich bin da voll und ganz Deiner Meinung: die Bilder haben einen ganz eigenen Charme. Ich mag das TTartisan, weil es im Gegenteil zu den aktuellen technisch einwandfreien und “alglatten” Objektiven eben etwas in die Fotografie einbringt, das so eigentlich nur sehr wenige Fotografen wirklich noch wollen: Flairings, jede Menge Seifenblasen und den Retro-Charakter.

      Wenn ich das Internet durchstöbere und Bilder von anderen (Hobby)fotografen betrachte, frage ich mich manchmal schon: “Wieso ist alles so perfekt?” So ein kleines bisschen vermisse ich die Nostalgie in den Bildern schon. Wenn ich mich dann hinsetze und meine privaten Fotoalben von früher durchstöbere und die Bilder meines Patenonkels sehe, der damals mit einer Minolta fotografiert hat, dann gerate ich schon ins Schwärmen. Diese Bilder haben Wärme, Charme und ganz viel Charakter, gerade weil sie eben weit weg sind von allem so Modernen.

      Irgendwie streben wir alle nach Perfektion, in nahezu allen Bereichen, auch in der Fotografie. Es muss immer alles passen und möglichst ohne Fehler sein. Da spricht man vom “goldenen Schnitt”, von “Unter’m Knie schneide nie!” und von weiteren Regeln. Mein Patenonkel war sicherlich kein schlechter Fotograf, aber an Regeln hielt er sich damals nie. Er hat fotografiert, so wie es ihm gefiel. Er scherte sich nicht um das, was gerade modern war und hatte damit Erfolg. Und wenn ich seine Bilder heute betrachte, fällt mir als Erstes sicherlich nicht auf: “Oh leck, das Bild ist aber dunkel geworden.” oder “Mein Gott, ist das schlecht fokussiert.”

      Viel mehr springt mir seine Begeisterung für die Fotografie ins Auge, die liebevolle Auswahl des Motivs und sein ganz eigener Stil, mit dem er damals seine Fotografien angefertigt hat. Seine Bilder hatten das “gewisse Etwas”, auch wenn sie (nicht oft) allen fotografischen Regeln entsprochen haben. Ich wünschte, das gäbe es noch heute – doch, ob das (noch) einer sehen möchte, ist fraglich.

      Viele Grüße, Sandra!

    • Sandra

      @Fraukografie:
      Liebe Frauke!
      Ui, das mit dem Kaffee und dem Kuchen ging jetzt aber flott (siehe mein Kommentar bei Dir *lach*). Kaum bei Dir kommentiert, warste schon bei mir. Das lobe ich mir *grins*. Das Bokeh ist wirklich bezaubernd, finde ich auch. Die Sache mit der Schärfe, ja. Also man muss sich echt Zeit lassen beim Fokussieren und auch mal länger beim Motiv verweilen. Einfach so mal schnell was fotoknipsen is’ beim TTartisan nich’, da macht es net mit. Wenn man sich aber auf sein Motiv konzentriert und mit Fokus-Peaking arbeitet, dann kann es schon mit der Schärfe klappen. Man muss sich halt echt Mühe geben bei dem manuellen Schätzchen.

      Viele Grüße, Sandra!

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