Kamerageflüster

Eine Retro-Linse: Das TTartisan 100mm f/2,8

Wird das TTartisan 100mm f/2,8 ohne weiteres Zubehör (z. Bsp. Zwischenring[e]) an der Kamera verwendet, so beträgt die Naheinstellgrenze 0,9m. Das bedeutet zwischen Objektiv und Fotomotiv muss es einen Abstand geben, der 0,9m beträgt. Über eine Makro-Funktion verfügt die Retro-Linse (leider) nicht. Da ich mich aber auch im Bereich der Nah- und Makro-Fotografie zuhause fühle, habe ich mir für das Objektiv entsprechende Makro-Zwischenringe besorgt. Sie haben den – für mich – angenehmen Nebeneffekt, dass das Seifenblasen-Bokeh noch intensiver wird.

Für Kameras mit Fokus-Peaking Funktion:
Es kann äußerst hilfreich sein, die Fokus-Peaking Funktion der Kamera einzuschalten. Dies vereinfacht das manuelle Scharfstellen erheblich. Aber auch die Digitallupe ist ein nützliches Hilfsmittel beim manuellen Fokussieren. Damit lässt sich ein Bereich, der scharf gestellt werden soll, vergrößern. Der Vorteil liegt auf der Hand: der zu fokussierende Bereich kann dadurch sehr genau betrachtet werden.

Fokus-Peaking Einstellungen:
Fokus-Peaking Funkion auf “On” einstellen. Die Empfindlichkeit auf “Hoch” einstellen. Die Farbe (Rot, Gelb oder Blau) auswählen.

Die Blende für diese Bilder lag bei f/11 ↓
Manuell fokussiert mit Fokus-Peaking Unterstützung

Wer sich für das TTartisan 100mm f/2,8 interessiert und ggf. überlegt, es zu kaufen, der sollte vielleicht im Vorfeld darüber informiert werden, was eigentlich klar sein sollte: die Optik wird bei einer Blende von f/2,8 in keinster Weise in Sachen Schärfe den modernen digitalen Objektiven gleichwertig oder gar überlegen sein. Erst ab einer Blende von f/3,5 wird sich die Schärfe im Bild verbessern. Dies gilt jedoch nur für die Bildmitte. Ab einer Blende von f/11 werden auch die unscharf dargestellten Randbereiche eines Bildes mehr Schärfe aufweisen.

Wie erzeuge ich das Seifenblasen-Bokeh?
Um das von dieser Linse produzierte Bubble-Bokeh erhalten zu können, muss mit einem Blendenwert von f/2,8 gearbeitet werden. Damit das Bokeh deutlich zum Vorschein kommt, müssen weitere Bedingungen erfüllt sein. So sollten Spitzlichter, z. Bsp. von LED-Beleuchtungen oder Sonnenschein vorhanden sein, damit sich die Bubbles (= Lichtkreise) auf den Bildern zeigen. Um das Seifenblasen-Bokeh zu verstärken, sind Zwischenringe geeignet. Bubbles-Fans kommen mit dem TTartisan 100mm f/2,8 voll auf ihre Kosten!

Die Blende für diese Bilder lag bei f/2,8 ↓

Bubbles, Bubbles, Bubbles…mehr geht kaum. Oder doch? Da nicht die idealen Bedingungen herrschten, um das Seifenblasen-Bokeh heraus zu locken, habe ich nachgeholfen. Auf meinem Highboard im Büro habe ich zwei kleine bunte LED-Lichterkettchen zurechtgelegt. Meine Canon EOS R10 und das adaptierte TTartisan 100mm f/2,8 haben dann den Rest erledigt.

Beim Fotografieren des obigen Bildes ↑ war ich etwas weiter entfernt von den leuchtenden LED-Lichterkettchen, wobei ich bei der Aufnahme des Bildes unten ↓ näher heran gerückt war.

Thema “Nachschärfen”. Natürlich ist bei der Bildbearbeitung ein Nachschärfen mithilfe einer guten Software (z. Bsp. LuminarNEO AddOn “SuperschärfenAI”) immer möglich, doch wer dadurch ein knackscharfes Bild als Ergebnis erwartet, der wird enttäuscht werden. Ein Bild, das mit Blende f/2,8 aufgenommen wird, wird immer kaum Kontrast aufweisen und etwas trübe wirken.

Die Blende für diese Bilder lag bei f/2,8 ↓
Bild 1 unten Originalbild ↓, Bild 2 unten mit LuminarNEO SuperschärfenAI bearbeitet

Ein weiterer negativer Punkt, der sich jedoch auch positiv auf das Bildergebnis auswirken kann, ist, dass das TTartisan 100mm f/2,8 sehr Gegenlicht empfindlich ist. Bei Gegenlicht können rund um das gewählte Motiv herum softe Bereiche entstehen. Diese können in der Tat aber auch gut aussehen. Wer dies aber vermeiden möchte, der sollte zu einer Sonnenblende greifen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass es sich um eine Sonnenblende mit Schraubgewinde handeln muss.

Lest gerne auf der Seite 3 weiter, wenn ihr meinen Bericht über das TTartisan interessant oder lesenswert findet. Danke!

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12 Kommentare

  • Rolf

    Hallo Sandra,
    natürlich habe ich jetzt Deinen Bericht komplett gelesen und kann Deine Ausführungen voll bestätigen (muss mir noch eine Streulichtblende besorgen). Bei mir ist die Brennweite von 100mm an meiner µFT-Kamera (~200mm an KB) schon recht lang. Ich muss das (Effekt-)Objektiv aber noch in der Natur testen und bin gespannt, wie die Ergebnisse aussehen werden. Die Randunschärfen werden bei mir nicht ganz so stark ausfallen da meine Kamera ja nur das Zentrum des Bildkreises nutzt.
    Viele Grüße,
    Rolf

    • Sandra

      @Rolf:
      Lieber Rolf!
      Schön, dass Du meinen Bericht über das TTArtisan gelesen hast und mir zustimmen kannst. Ich mag das Obi total gerne und setze es häufig ein.

      Viele Grüße, Sandra!

  • Andreas

    Ein interessantes Objektiv, dass Du nicht hättest vorstellen sollen. Denn jetzt bin icgh wieder schwer erkrankt an dem HWV, der H aben W ill V irus.
    OK, im Ernst, tolles Objektiv, tolle Bilder, toller Bericht, den ich gerne bis zum Schluss gelesen habe.
    Wer sich so ein Objektiv kauft und technische Perfektion grad in Bezug auf Schärfe will, dem ist nicht zu helfen, denn er macht – oder denkt – was falsch.

    Gruß
    Andreas

    • Sandra

      @Andreas:
      Lieber Andreas!
      Was das HWV ist, hätte ich sogar gewusst, denn auch ich leide unter diesem Virus *lach*. Es ist einfach fürchterlich, dagegen hilft keine Medizin *traurigguck*. Ich fühle mich geehrt, dass Du den gesamten Beitrag bis zu seinem Ende gelesen hast. Vielen lieben Dank. Da hat sich meine Zeit, Arbeit und Mühe ja schon gelohnt. Richtig: von technischer Perfektion ist das TTartisan 100mm f/2,8 weit entfernt, doch gerade das ist das für mich Reizvolle daran. Wir streben alle irgendwie nach Perfektion, auch in der Fotografie, und ich schwimme einfach mal gegen den Strom. Das ist auch mal schön *lach*.

      Ich bin mal sehr gespannt, ob Du dem HWV unterlegen bist oder ob Du Dich hier noch zurückhalten kannst *lach*. Im Übrigen ist das Objektiv nur über den Hersteller TTartisan käuflich zu erwerben, wenn ich korrekt informiert bin. Denke an ggf. anfallende Zollgebühren, solltest Du es kaufen wollen.

      Viele Grüße, Sandra!

      • Andreas

        Hallo Sandra

        Ich werde versuchen mich start zurück zuz halten, da ich erstmal auf ein größeres Telezoom hinarbeiten möchte.
        Was die technische Perfektion betrifft, daher arbeite ich auch gerne mal analog, das ist aus Heutiger Sicht weit von Technischer Perfektion entfernt 😀

        Gruß
        Andreas

        • Sandra

          @Andreas:
          Lieber Andreas!
          Ja, man kann eben nicht alles haben, das stimmt wohl. Da muss man schon Prioritäten setzen! Technische Perfektion kann in meinen Augen auch auf Dauer langweilig sein *knipsauge*. Von der Norm abweichen finde ich interessant!

          Viele Grüße, Sandra!

  • Elke (Mainzauber)

    Liebe Sandra,
    das ist ein wirklich interessantes Objektiv. Ich mag das Seifenblasenbokeh nicht so sehr, aber manchmal passt es einfach. Ich sehe, dein Beitrag zieht sich über drei Seiten. Das werde ich mir heute Abend noch mal ausführlich zu Gemüte ziehen. Deine Schriftfarbe ist jetzt sehr gut zu lesen!!! Ich bin begeistert, danke. Es gibt bei einer neuen Seite ja so viel zu beachten. Heute schiebe ich mal wieder etwas Frust, aber ich habe nochmal viel dazugelernt. Und manches braucht man ja auch nicht wirklich. Ich muss aufpassen, dass ich nicht zu viel will.
    Herzliche Grüße – Elke

    • Sandra

      @Elke (Mainzauber):
      Liebe Elke!
      Das ist ein interessantes und gleichzeitig auch erschwingliches Objektiv *lach*. Ich liebe das Seifenblasen-Bokeh, aber das weißt Du ja als treue Leserin dieses Blogs. Ich finde, vor allem in der Natur und bei Porträts wirkt es sehr gut, sofern es vom eigentlichen Motiv nicht zu sehr ablenkt. Ich freue mich, dass Dir die Schriftfarbe nun zusagt. Wenn ich weiß, was ich verbessern kann, dann bin ich gerne dazu bereit, es zu tun. Ich muss nur darauf hingewiesen werden, ansonsten kann ich ja nicht ahnen, wo der Schuh drückt *grins*. Also: danke für den Hinweis! Das Ding mit dem “zu viel wollen” kenne ich seeehr gut. Aber, so wie ich Dich kenne, wirst Du das Ding schon rocken!

      Viele Grüße, Sandra!

    • Sandra

      @Frau Momo:
      Liebe Frau Momo!
      Ich bin da voll und ganz Deiner Meinung: die Bilder haben einen ganz eigenen Charme. Ich mag das TTartisan, weil es im Gegenteil zu den aktuellen technisch einwandfreien und “alglatten” Objektiven eben etwas in die Fotografie einbringt, das so eigentlich nur sehr wenige Fotografen wirklich noch wollen: Flairings, jede Menge Seifenblasen und den Retro-Charakter.

      Wenn ich das Internet durchstöbere und Bilder von anderen (Hobby)fotografen betrachte, frage ich mich manchmal schon: “Wieso ist alles so perfekt?” So ein kleines bisschen vermisse ich die Nostalgie in den Bildern schon. Wenn ich mich dann hinsetze und meine privaten Fotoalben von früher durchstöbere und die Bilder meines Patenonkels sehe, der damals mit einer Minolta fotografiert hat, dann gerate ich schon ins Schwärmen. Diese Bilder haben Wärme, Charme und ganz viel Charakter, gerade weil sie eben weit weg sind von allem so Modernen.

      Irgendwie streben wir alle nach Perfektion, in nahezu allen Bereichen, auch in der Fotografie. Es muss immer alles passen und möglichst ohne Fehler sein. Da spricht man vom “goldenen Schnitt”, von “Unter’m Knie schneide nie!” und von weiteren Regeln. Mein Patenonkel war sicherlich kein schlechter Fotograf, aber an Regeln hielt er sich damals nie. Er hat fotografiert, so wie es ihm gefiel. Er scherte sich nicht um das, was gerade modern war und hatte damit Erfolg. Und wenn ich seine Bilder heute betrachte, fällt mir als Erstes sicherlich nicht auf: “Oh leck, das Bild ist aber dunkel geworden.” oder “Mein Gott, ist das schlecht fokussiert.”

      Viel mehr springt mir seine Begeisterung für die Fotografie ins Auge, die liebevolle Auswahl des Motivs und sein ganz eigener Stil, mit dem er damals seine Fotografien angefertigt hat. Seine Bilder hatten das “gewisse Etwas”, auch wenn sie (nicht oft) allen fotografischen Regeln entsprochen haben. Ich wünschte, das gäbe es noch heute – doch, ob das (noch) einer sehen möchte, ist fraglich.

      Viele Grüße, Sandra!

    • Sandra

      @Fraukografie:
      Liebe Frauke!
      Ui, das mit dem Kaffee und dem Kuchen ging jetzt aber flott (siehe mein Kommentar bei Dir *lach*). Kaum bei Dir kommentiert, warste schon bei mir. Das lobe ich mir *grins*. Das Bokeh ist wirklich bezaubernd, finde ich auch. Die Sache mit der Schärfe, ja. Also man muss sich echt Zeit lassen beim Fokussieren und auch mal länger beim Motiv verweilen. Einfach so mal schnell was fotoknipsen is’ beim TTartisan nich’, da macht es net mit. Wenn man sich aber auf sein Motiv konzentriert und mit Fokus-Peaking arbeitet, dann kann es schon mit der Schärfe klappen. Man muss sich halt echt Mühe geben bei dem manuellen Schätzchen.

      Viele Grüße, Sandra!

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