Lost Places

“Das alte Wachhaus in Lebach” (Saarland)

In diesem Wachhaus, welches mitten im Wald von Lebach gelegen ist, wurden 1969 vier Soldaten völlig sinnlos im Schlaf erschossen. Nur ein Soldat überlebte das Attentat. Das Wachhaus im Lebacher Wald, nahe bei Saarlouis, der heimlichen Landeshauptstadt des Saarlandes, gelegen, war die Zentrale von dort aus Wachmannschaften auf die Munitionsdepots, welche unweit des Wachhauses standen, Acht gaben.

Im Jahr 1969 war die Liste an Kriegen nicht die Kürzeste (z. Bsp. Vietnamkrieg, Fußballkrieg, Bürgerkrieg im Baskenland, Portugisischer Kolonialkrieg etc.). Überall beherrschten Kämpfe das Geschehen, doch Deutschland hatte genug von Krieg und Kampf. Die Bundeswehr, welche es seit 1955 wieder gab, dachte nicht im Traum daran, sich an bewaffneten Auseinandersetzungen zu beteiligen. Das war auch der Grund dafür, dass die Grundwehrdienstleistenden ihre Bundeswehrzeit mit einer gewissen Leichtigkeit sahen.

Das Lebacher Wachhaus war mit insgesamt fünf Soldaten besetzt. Ein Soldat patrolierte während die übrigen im Wachhaus schliefen. Da es keine Schlüssel gab, um die Türen des Wachhauses abschließen zu können, war es zu jeder Zeit frei zugänglich.

Wie kam es zu den Morden an den Soldaten?
Drei Männer, die ihrem grauen Alltag entfliehen wollten und auf das große Geld hofften, taten sich zusammen und planten die Morde sowie die sich hieran anschließenden Erpressungsversuche. Einer dieser Männer war selbst Soldat in Lebach gewesen und kannte daher die Gegebenheiten vor Ort. Nach intensiven und langen Vorbereitungen fand am 20. Januar 1969 das grausige Verbrechen statt. Jedoch sprang spontan einer der Männer vorher ab und überließ das Feld den übrigen Beiden, die an ihrem Plan festhielten und ihn letztlich auch ausführten.

Mitten in der Nacht schlichen sie, einer durch die Vorder- und der andere durch die Hintertür, in das Wachhaus hinein. Dort schliefen die Soldaten nichts ahnend in ihren Betten und wachten auch dann nicht auf, als die Fremden das Wachhaus leise betraten. Die Verbrecher eröffneten das Feuer und schossen auf die Wehrlosen. Drei Soldaten starben auf der Stelle, der vierte Soldat erlag zu einem späteren Zeitpunkt in einem Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Der fünfte Soldat war der einzige, der den Anschlag überlebte. Die Attentäter nahmen das Wachbuch an sich sowie ein paar der Waffen samt entsprechenden Kugeln (1.000 Schuss Gewehrmunition, 50 Schuss Pistolenmunition, zwei Pistolen Walther P1 sowie drei Schnellfeuergewehre vom Typ HK G3), welche sie aus den Munitionsbunkern entwendet hatten (sie brachen vier von zwölf Bunker gewaltsam auf, um an die Waffen/Munition zu gelangen). Im Anschluss an den Überfall auf die Soldaten konnten die Täter unerkannt fliehen.

Warum wurden die Soldaten in Lebach ermordert?
Darüber rätselte das Land. Fanden die Männer den Tod nur wegen der Waffen und der Munition, die von den Tätern entwendet worden waren? Die Polizei fahndete fieberhaft nach den Mördern, doch ihre Suche blieb erfolglos. Das Motiv der Morde blieb unklar. Die Vermutung einer politisch motivierten Tat kam auf. Da trudelten bei BILD und DER SPIEGEL Bekennerschreiben der Attentäter ein. Um zu beweisen, dass die Bekennerschreiben tatsächlich von den Männern kamen, die des Nachts die Lebacher Soldaten töteten, lag man ihnen herausgerissene Seiten des Wachbuches bei, das während des Überfalls auf das Wachhaus mitgenommen worden war. “Die Mafia”, so signierten die Täter ihre Schreiben.
Darauf folgten diverse Erpressungsversuche. In einem ersten Erpressungsversuch nannten sich die Täter “Dr. Sardo”. Ein Finanzmarkler sollte eine hohe Geldsumme an die Erpresser zahlen, doch dieser ging zur Polizei und zahlte nicht. Auch ein zweiter Erpressungsversuch schlug fehl. Die Täter konnten auch hier keinen Geldbetrag einheimsen. Vielmehr gelang es dem zweiten Erpressungsopfer, einer Frau, das Kennzeichen des Autos zu notieren, dessen Insassen sie überzeugen wollten, einzusteigen. Da sie sich standhaft weigerte und sich wehrte, blieb den Männern nichts anderes übrig als erfolglos weiter zu fahren.

Der Fall der Soldatenmorde von Lebach schaffte es in die TV-Sendung “Aktenzeichen XY”. Mithilfe dieser TV-Sendung konnte man die Täter schließlich überführen und das Verbrechen aufklären.

Das Urteil vom 07. August 1970 lautete:
Lebenslange Freiheitsstrafe für die beiden Hauptangeklagten, sechs Jahre Freiheitsstrafe für den Drittbeteiligten wegen Beihilfe zum Mord.

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Der damalige Tatort. Das Betreten des Geländes ist verboten!

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